Confoederatio — exTra
Confoederatio Cover
2026

Confoederatio

„Confoederatio" erzählt die Geschichte der Schweiz durch die Stimmen derer, die sie geprägt haben. Jeder der zehn Songs wird von einer historischen Persönlichkeit erzählt. Musikalisch bewegt sich das Album von Dark-70s-Swiss-Folk-Rock über Liedermacher-Chanson, Gründerzeit-Shuffle und Glenn-Miller-Big-Band-Swing bis hin zu ABBA-inspiriertem Disco.

Titelliste

1▶
Stone and Water (Helvetia)
6:31
2▶
Bibracte (Julius Caesar)
5:16
3▶
The Trial of William Tell
8:23
4▶
Blood for Gold (Der Söldner — Marignano 1515)
5:54
5▶
The Hermit's Warning (Bruder Klaus)
5:08
6▶
Sword and Bible (Zwingli — Kappel 1531)
6:28
7▶
I Wrote It Down (Anna Göldi — Glarus 1782)
4:20
8▶
No Kings in This Land (Alfred Escher — Zürich 1882)
4:23
9▶
Behind These Mountains (Das Reduit — Schweiz 1940)
4:04
10▶
The Story Goes On (Quo Vadis — Schweiz heute)
3:55
Wird gespielt
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Die Songs

„Confoederatio" erzählt die Geschichte der Schweiz durch die Stimmen derer, die sie geprägt haben. Das Album umspannt über tausend Jahre Schweizer Geschichte, von der römischen Eroberung bis zum Zeitalter der künstlichen Intelligenz.

Track 1 · Der Ursprung

Stone and Water (Helvetia)

Helvetia, die Frauenfigur, die die Schweiz verkörpert, ist jünger, als sie aussieht. Sie tauchte im 17. Jahrhundert auf, als die Eidgenossenschaft über die einzelnen Orte hinaus ein Sinnbild für das Ganze brauchte, und seit 1850 ist sie auf Schweizer Münzen zu sehen. Ihr Name geht auf die Helvetier zurück, ein keltisches Volk, das zur Römerzeit im Mittelland lebte. Daher stammen der lateinische Landesname Confoederatio Helvetica und das CH auf jedem Schweizer Auto. Die Landschaft, für die sie spricht, haben die Gletscher der Eiszeiten geformt, die Täler und Seen ausschürften. Im Song blickt sie auf alles zurück: die Legionen, die Söhne in fremden Kriegen, die Tunnel durch die Alpen.

Track 2 · Der Eroberer

Bibracte (Julius Caesar)

58 v. Chr. verliessen die Helvetier ihre Heimat im Mittelland, verbrannten ihre Städte und Dörfer hinter sich und zogen Richtung Südwestgallien. Julius Caesar, Statthalter der römischen Provinz, versperrte ihnen bei Genf den Weg, verfolgte sie und schlug sie bei Bibracte, der Höhensiedlung der Häduer im heutigen Burgund. Laut Caesar zogen 368'000 Menschen aus, nur 110'000 kehrten zurück. Die heutige Forschung hält diese Zahlen für übertrieben. Caesar schickte die Überlebenden zurück, damit keine germanischen Stämme in das leere Land nachrückten. Fast alles, was wir über den Feldzug wissen, stammt aus Caesars eigenem Bericht, De Bello Gallico, geschrieben zur Förderung seiner Karriere in Rom. Der Song lässt ihn mit eigener Stimme erzählen.

Track 3 · Der Rebell

The Trial of William Tell

Ob Wilhelm Tell je gelebt hat, ist nicht belegt. Die Geschichte taucht erstmals um 1470 im Weissen Buch von Sarnen auf: Der Vogt Gessler lässt in Altdorf einen Hut auf eine Stange setzen, Tell verweigert den Gruss, muss seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schiessen und tötet Gessler später in der Hohlen Gasse bei Küssnacht. Im 16. Jahrhundert datierte der Chronist Aegidius Tschudi die Ereignisse auf 1307. Einen fast gleichen Apfelschuss erzählt um 1200 Saxo Grammaticus von einem dänischen Schützen namens Toko. Als ein Berner Pfarrer Tell 1760 ein dänisches Märchen nannte, wurde ein Exemplar seiner Schrift in Altdorf verbrannt. Schillers Drama von 1804 machte Tell in ganz Europa zum Freiheitshelden. Der Song stellt ihn vor Gericht, mit Zeugen für und gegen ihn.

Track 4 · Der Preis des Krieges

Blood for Gold (Der Söldner — Marignano 1515)

Zwei Jahrhunderte lang gehörten Schweizer Fusssoldaten zu den begehrtesten Europas, und das Söldnerwesen war eine wichtige Einnahmequelle der Eidgenossen. 1515 hielten sie das Herzogtum Mailand für Herzog Massimiliano Sforza. Am 13. und 14. September 1515 trafen sie bei Marignano vor Mailand auf das Heer des jungen französischen Königs Franz I. mit seiner schweren Artillerie. Nach rund zwanzig Stunden Kampf zogen sich die Eidgenossen zurück und liessen an die 10'000 Tote zurück. 1516 schlossen sie mit Frankreich den Ewigen Frieden, wenig später ein Bündnis, das dem französischen König das Anwerben von Schweizer Söldnern erlaubte. Marignano bedeutete das Ende der eidgenössischen Expansion. Oft wird die Schlacht als Geburtsstunde der Neutralität bezeichnet, unter Historikern ist diese Deutung aber umstritten. Fremde Dienste gab es noch bis ins 19. Jahrhundert.

Track 5 · Der Friedensstifter

The Hermit's Warning (Bruder Klaus)

Niklaus von Flüe, 1417 in Obwalden geboren, war Bauer, Ratsherr, Richter und Soldat und Vater von zehn Kindern. 1467, mit etwa fünfzig Jahren, verliess er mit dem Einverständnis seiner Frau Dorothee die Familie und lebte als Einsiedler in der Ranftschlucht. Der Überlieferung nach ass er bis zu seinem Tod nichts mehr. Nach den Burgunderkriegen war die Eidgenossenschaft tief zerstritten: Die Länderorte wehrten sich gegen die Aufnahme der Städte Freiburg und Solothurn und stritten mit den Städten um die Kriegsbeute. Als die Tagsatzung in Stans im Dezember 1481 zu scheitern drohte, brachte Pfarrer Heimo Amgrund eine Botschaft von Bruder Klaus. Ihr Wortlaut ist nicht bekannt, doch am 22. Dezember kam die Einigung zustande, das Stanser Verkommnis. Das Wort Machet den Zun nit zu wit wird ihm zugeschrieben, ist aber nicht zeitgenössisch belegt. Er starb 1487 und wurde 1947 heiliggesprochen. Er ist der Landespatron der Schweiz.

Track 6 · Brüder getrennt

Sword and Bible (Zwingli — Kappel 1531)

Ab 1519 predigte Huldrych Zwingli in Zürich die Reformation. Die Eidgenossenschaft spaltete sich: auf der einen Seite Zürich, Bern und weitere Städte, auf der anderen die fünf katholischen Orte der Innerschweiz. Im Juni 1529 standen sich die Heere bei Kappel am Albis gegenüber, doch es kam zu keiner Schlacht. Der Überlieferung nach assen Soldaten beider Seiten an der Grenze gemeinsam eine Suppe aus Milch und Brot, die Kappeler Milchsuppe. Am 26. Juni 1529 folgte der Erste Kappeler Landfriede. Zwei Jahre später, am 11. Oktober 1531, kehrte der Krieg an denselben Ort zurück. Rund 500 Zürcher fielen, darunter der 47-jährige Zwingli. Seine Leiche wurde gevierteilt und verbrannt. Der Chronist Heinrich Bullinger berichtet, dass der Zuger Hans Schönbrunner an ihr weinte. Der Zweite Kappeler Landfriede im November 1531 stoppte die Ausbreitung der Reformation in der Eidgenossenschaft für lange Zeit.

Track 7 · Der Whistleblower

I Wrote It Down (Anna Göldi — Glarus 1782)

Am 13. Juni 1782 wurde die Magd Anna Göldi in Glarus enthauptet. Ihr Dienstherr, der Arzt und Richter Johann Jakob Tschudi, beschuldigte sie, seiner Tochter auf unheimliche Weise Stecknadeln ins Brot und in die Milch gebracht zu haben. Unter Folter gestand sie. Das Urteil nannte sie eine Vergifterin und vermied das Wort Hexe, doch die Zeitgenossen sahen darin einen Hexenprozess, und sie gilt als letzte als Hexe hingerichtete Frau Europas. Der Gerichtsschreiber Johann Melchior Kubli spielte die geheimen Akten dem deutschen Journalisten Heinrich Ludwig Lehmann zu, und 1783 wurde der Fall in ganz Europa bekannt. Das Wort Justizmord wurde erstmals im Zusammenhang mit ihm verwendet. Vermutet, aber nicht bewiesen ist, dass Tschudi eine Affäre mit ihr vertuschen wollte. 2008 rehabilitierte der Glarner Landrat Anna Göldi.

Track 8 · Der Visionär

No Kings in This Land (Alfred Escher — Zürich 1882)

Alfred Escher (1819 bis 1882) war der mächtigste Mann der Schweiz des 19. Jahrhunderts. Er führte die Schweizerische Nordostbahn, gründete 1856 die Schweizerische Kreditanstalt, die spätere Credit Suisse, und hatte grossen Anteil an der Gründung des Eidgenössischen Polytechnikums 1855, der heutigen ETH Zürich. Sein grösstes Projekt war die Gotthardbahn. Doch der Tunnel wurde weit teurer als geplant, und 1878 musste Escher als Präsident der Gotthardbahn-Gesellschaft zurücktreten. Zum Durchstich 1880 wurde er nicht eingeladen, der Eröffnung 1882 blieb er krankheitshalber fern. Er starb im Dezember 1882 in Zürich. Seine Gegner nannten ihn König Alfred, und die demokratische Bewegung der 1860er-Jahre richtete sich gegen sein System. Die Credit Suisse wurde 2023 von der UBS übernommen.

Track 9 · Die Abrechnung

Behind These Mountains (Das Reduit — Schweiz 1940)

Im Sommer 1940 war die Schweiz von den Achsenmächten umschlossen. Am 25. Juli rief General Henri Guisan die höheren Offiziere der Armee aufs Rütli und legte das Reduit dar: Bei einem Angriff sollte sich die Armee in die Alpen zurückziehen und den Gotthard und die anderen Pässe halten, bereit, die Alpenübergänge zu zerstören. Die Städte im Mittelland wären weitgehend ihrem Schicksal überlassen worden. Ab November verwandelte der Plan Wahlen, die Anbauschlacht, Parks und Sportplätze in Kartoffel- und Gemüsefelder. Gleichzeitig handelte die Schweiz mit Deutschland, die Nationalbank kaufte Gold der deutschen Reichsbank, und durch den Gotthard rollten weiter die Güterzüge. 1938 hatte die Schweiz auf den J-Stempel in den Pässen deutscher Juden gedrängt, im August 1942 schloss sie die Grenze für Flüchtlinge, die aus rassischen Gründen verfolgt wurden. Bundesrat Eduard von Steiger verglich das Land mit einem vollbesetzten Rettungsboot. Die Bergier-Kommission zählte rund 24'500 Wegweisungen an der Grenze, eine Zahl, die umstritten ist.

Track 10 · Die Zukunft

The Story Goes On (Quo Vadis — Schweiz heute)

Die Gegenwart. Zürich, wo Alfred Escher einst seine Bank gründete, ist zu einem der Technologiezentren Europas geworden, mit einem der grössten Entwicklungsstandorte von Google ausserhalb der USA und mit der ETH, einer der weltweit führenden Hochschulen. Die Credit Suisse brach 2023 zusammen und wurde von der UBS übernommen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022, als die Schweiz die Sanktionen der EU übernahm, wird so heftig wie selten darüber gestritten, was Neutralität heute bedeutet, und ebenso über das Verhältnis zur Europäischen Union. Die alte Frage, wie viel Welt das Land hereinlassen will, kommt immer wieder an die Urne. In der Bridge blickt der Song auf alle Figuren des Albums zurück, von Helvetia bis zur Frau von 1940.

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